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Alter Text Utopien Dominanzabbau Das "Wie" der Stiftung Organisierung von unten
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Stiftung FreiRäume: Grundgedanken

Ziele: Hilfe zur Selbsthilfe ++ Aktionsplattformen ++ Notausgänge ++ Kooperation und Werbung ++ Stiftung stärken

Diese Seite soll die Ziele und Wege der Stiftung FreiRäume benennen. Im Vordergrund stehen die Besonderheiten, die die Stiftung FreiRäume von anderen Stiftungen oder Vereinen unterscheiden – ohne ein Exklusivrecht erheben zu wollen. Unsere Ideen sind offen, dürfen übernommen, diskutiert und verändert, weiterentwickelt und ausprobiert werden. Wir würden uns freuen, neben konkreten Kooperationen auch in einen Austausch mit ähnlichen Projekten, Stiftungen usw. treten zu können - ganz im Sinne eines kreativen Ringen um emanzipatorische Organisierungsformen.

Allgemeine Ziele

Die Stiftung FreiRäume will offene Räume sichern oder selbst aufbauen bzw. entwickeln. Sie sollen immer - zumindest teilweise - Plattform sein, um offensiv in die Gesellschaft zu wirken zwecks Abbau von Herrschaftsverhältnissen, Ausbeutung, Umweltzerstörung usw. Ziel ist dabei, (formal)hierarchische Strukturen zu verdrängen und ein horizontales, gleichberechtigtes Agieren und Kooperieren von Menschen zu fördern. Die Stiftung will das durch Gebäude, Flächen, Räume, Wägen und andere Einrichtungen erreichen, die sie unter den Bedingungen von Offenheit und Horizontalität Nutzer*innengruppen zur Verfügung stellt und mit diesen Kooperationsverträge aushandelt, in denen solche Ziele festgeschrieben werden, die Stiftung daber auf weitergehende Einflussnahme verzichtet.

Mit dieser Idee verbinden sich die Ziele der Satzung, darunter des Erhalts von (historisch) wertvollen Gebäuden, der Verbreitung von Wissen, der selbstbestimmten Entfaltung von Kultur und Kunst, des Schutzes der für ein selbstbestimmtes Leben unersetzlichen Natur sowie der Bildung und Forschung in all diesen Themengebieten. Neben eigenen Gebäuden und Flächen will die Stiftung Kooperationen mit anderen Trägern eingehen. Auch dort geht es vor allem um die Idee offener Räume und der Horizontalität zwischen allen Nutzer*innen. Vision ist ein Netz offener Aktionsplattformen an vielen Orten des Landes, die miteinander in Austausch stehen, sich gegenseitig unterstützen und Eigentum teilen. Für gemeinsame Infrastruktur, die nicht an jedem Ort jederzeit nötig ist, könnte die Stiftung Träger sein.

Zur Unterstützung dieser Ziele tragen vor allem Spenden und Zustiftungen bei, insbesondere von Gebäuden und Grundstücken. Eine lebendige Stiftung und ein aktives Netzwerk kreativer Räume entsteht aber mehr noch durch die Mitwirkung vieler Menschen und Projekte an Vernetzung, Beratung und Verwirklichung dieser Ideen.

Ziel 1: Viel Wirkung mit wenig Ressourcen - Hilfe zur Selbsthilfe

Innerhalb der Gesellschaft sind sehr unterschiedliche Akteur*innen wirksam. Einige verfügen über viel Rückhalt, andere über weniger. Einige sind stärker mit den tragenden Strukturen der Gesellschaft verknüpft, andere handeln stärker unabhängig. Einige verfügen über erhebliche finanzielle und/oder materielle Ressourcen, andere haben diese nicht. Auch handwerkliches oder technisches Know-How und Fachwssen sind ungleich verteilt.

Die Stiftung FreiRäume will gezielt denen helfen, die mit wenig Ressourcen, in gleichberechtigten Handlungsformen und (weitgehend) selbstorganisiert Projekte und Räume aufbauen wollen. Dabei tritt die Stiftung nicht als Mäzen für arme Projekte auf, sondern als mitdenkende und mithandelnde Partnerin in der praktischen Umsetzung, bei der Vermittlung von Know-How und bei Vernetzung bzw. Anbahnung von Kooperationen zwischen Projekten. Zudem kann sie Werkzeug sein, wenn es darum geht, Eigentum zu schaffen und Verträge abzuschließen. Gerade der letztere Punkt stellt für viele selbstorganisierte Projekte eine Hemmschwelle dar, weshalb eine rechtlich handlungsfähige Stiftung als Kooperationspartnerin vielen Ansätzen zum Durchbruch verhelfen könnte.

Selbstorganisierung stärken

Die Stiftung FreiRäume verfügt über die Menschen im Stiftungsrat und rund um diesen aktiven Hilfspersonen über ein erhebliches eigenes Know-How im Bereich der Selbstorganisierung – von handwerklichen Fähigkeiten bis zu Kommunikations- und öffentlichen Aktionsformen. Das alles soll durch direkte Mithilfe, Beratung, Seminare und Veröffentlichungen an Projekte und Initiativen weitergegeben werden.

Professionalität von unten: Dezentrale Selbstverwaltung

Die Stiftung FreiRäume soll keine zentrale Geschäfts- oder Koordinationsstelle betreiben. Stattdessen sollen die unterstützten und beteiligten Projekte die Orte sein, in denen Gemeinsamkeiten umgesetzt werden. Es ist das Ziel, dass alle Projekte eine oder mehrere Aufgaben für das Ganze übernehmen, angefangen von den weniger prickelnden, aber notwendigen Tätigkeiten (Buchführung, Materialverwaltung) über die Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit bis zu praktische Unterstützung anderer, vor allem neuer Projekte. Dieses ist die „Rendite“ des materiellen Kapitals der Stiftung. Ohne Eigenmittel zu ver(sch)wenden, entsteht eine Absicherung der Geschäftsführung der Stiftung über die Kooperation mit den Projekten und Nutzer*innen in den von der Stiftung getragenen oder unterstützten, durch die Verträge sicherten Räumen.

Ziel 2: FreiRäume erhalten - Aktionsplattformen sichern

Sicherung offener Infrastruktur gegen Privatisierung

Alle Häuser, Grundstücke, Räume und Gegenstände unterliegen unter den herrschenden gesellschaftlichen Verhältnissen der ständigen Gefahr der Privatisierung. Diese kann geschehen durch Aneignung und folgende Überführung in Privateigentum, durch Inwertsetzung (z.B. Verkauf), durch die Beschränkung des Zuganges, durch die Verwendung zu ausschließenden Nutzungen (z.B. für nicht nur vorübergehend private Kreise) oder durch eine schleichende Kommerzialisierung (z.B. Vermietung, Erhebung von Eintritt, Einzug von Firmen oder Dienstleister*innen in die Räume). Nur in wenigen Fällen waren es autoritäre Angriffe von Außen, die der offenen Nutzung von alternativen Projekten, besetzten Häusern usw. den Garaus machen. Meist waren es die in einem Projekt wohnenden oder aktiven Menschen selbst, die sich - bedrängt durch die äußeren Verhältnisse - wandelten und schleichend immer weniger Interesse an politischem Engagement mit kreativer Vielfalt, dafür aber mehr Neigung zu kommerziellen oder privat kontrollierten Verhältnissen entwickelten.

Solche Privatisierung "von Innen" prägt auch heute viele Versuche, Alternativen zu schaffen. Hier will die Stiftung absichern. Wo sie beteiligt ist, werden per Vertrag als offen definierten Räume festgeschrieben und eine Kommerzialisierung oder Schließung ebenso ausgeschlossen wie die Übertragung von Besitzrechten an die zentral handelnde (z.B. Wohn-) Gruppe oder irgendwelche Organisationen, Firmen ... Diesen “Autonomievertrag” schließt die Stiftung mit mindestens einem Rechtsträger der örtlichen Aktiven (z.B. einem Nutzer*innen-Verein), möglichst aber noch mehr Personen und Gruppen, ab. Er enthält zumindest folgende Festlegungen:

Die Stiftung garantiert diese Ziele durch das Festschreiben im Vertrag und der Sicherung eines Vetorechtes gegen die Auflösung der offenen Bereiche - seitens der Stiftung selbst oder eines anderen Trägers, der die gleichen Ziele garantieren kann. Gleichzeitig wird dem Projekt und den dort handelnden Personen eine volle Autonomie in allen anderen Bereiche sowie bei der inhaltlichen Gestaltung der garantiert offenen Bereiche zugesichert.

Neutralisierung von Eigentum

Kein Rechtsträger und keine natürliche Person soll durch das Eigentum an einer zu nutzenden Sache über besondere Einflussmöglichkeiten verfügen. Das Eigentum ist zu neutralisieren. Dieses kann die Stiftung ebenso wenig von sich aus und allein schaffen wie andere Rechts- und natürliche Personen. Solch eine Annahme wäre Augenwischerei, denn auch die Stiftung ist selbst eine hierarchische Struktur mit konkreten Personen an der Spitze.
Die Neutralisierung des Eigentums entsteht entsprechend den Ideen der Stiftung erst durch den Vertragsabschluß zwischen der Stiftung als Eigentümerin bzw. Garantin des offenen Raumes und den Nutzer*innen bzw, Personen/Gruppen im Projekt. Diese entwickeln gleichberechtigt den "Autonomievertrag", in dem das Projekt beschrieben und die konkrete Form selbstorganisierter und autonomiefördernder Entscheidungsfindung festgeschrieben wird. Der Vertrag ist einseitig unkündbar und nicht änderbar, d.h. jede Änderung bedarf der Zustimmung aller. Er ist der eigentliche "Trick" bei der Sache. Durch den vertraglich abgesicherten Verzicht auf das Hausrecht und damit auf die hegemoniale Prägung der für die Öffentlichkeit gesicherten Räume schafft die Stiftung einen Raum, in dem hinsichtlich der Handlungsmöglichkeiten, Kommunikation und Entscheidungswege keine Privilegien bestehen. Das ist der Ausgangspunkt der Entwicklung offener Aktionsplattformen und selbstorganisierter Projekte.

Trennung von Nutzung und Eigentum

Noch eine Sache ist wichtig bei dieser Strategie. Die Stiftung (oder eine andere, externe Struktur) wird Eigentümerin von Grundstücken, Häusern, Räumen oder beweglicher Infrastruktur. Die Nutzer*innen haben alle Freiheiten (außer der Beschränkung des offenen Raumes) und agieren auf "eigene Rechnung", d.h. als Personen, Gruppe, Projekt oder z.B. Verein. Damit wird Nutzung und Eigentum getrennt. Das Haus selbst gerät nicht durch Nutzungen in Gefahr. Der "Autonomievertrag" wirkt diesbezüglich wie ein weitgehender Pacht- oder Mietvertrag. Die Stiftung verwertet formal ihr Kapital, die Häuser und sonstigen Dinge, die ihr gehören, in dem sie diese "verpachtet" - die konkrete Aktivität aber ist nicht ihre Sache. Die Stiftung ist das Bollwerk, die Häuser und Infrastruktur zu erhalten. Sie ist aber nicht selbst politisch tätig, sondern überlässt die Häuser denen, die dort aktiv sind und dafür ihre eigenen Nutzer*innenstrukturen schaffen.

Ziel 3: Wenn doch was schief geht ... Informations- und Verhandlungspflicht

Wenn es bei den durch die Stiftung im Bestand gesicherten und durch einen Vertrag als offen nutzbar garantierten Räumen oder Gegenständen zu Konflikten und Beteiligten kommt, hilft die vertraglich festgeschriebene Garantie des gleichberechtigten Informationszugangs und der gleichberechtigten Kommunikation bei der Lösung derselben.

Notbremse in unlösbaren Krisen: Aufkaufspflicht und Übernahmerecht

Dennoch kann kein Mensch, keine Organisation und keine noch so geschickte rechtliche Konstruktion eine vollständige Garantie sein. Streit, Missverständnisse oder widrige äußere Bedingungen können jedes Projekt irgendwann gefährden. Die Stiftung garantiert die Offenheit der Räume, solange es aus Sicht der Stiftung mit ihren Möglichkeiten machbar erscheint. Politische und öffentliche Räume können aber in der Regel kaum dauerhaft gegen die anderen Beteiligten an einem Projekt oder ohne weitere Nutzer*innen aufrechterhalten werden. Im Fall dauerhaft oder langwierig unlösbarer Konflikte ist es sinnvoller, den Wert eines von den konkreten NutzerInnen verlassenen oder nicht mehr als öffentlich gewünschten Projektes auszulösen und das dadurch gewonnene Geld an anderen Orten zur Schaffung neuer Räume einzusetzen. Dadurch kann den Zielen der Stiftung mehr geholfen werden, als formal auf einer Vertragseinhaltung zu bestehen. Alle Verträge sollten für den Fall des permanenten Verstoßes gegen die drei oben genannten Festschreibungen (siehe unter “Sicherung offener Räume gegen Privatisierung”) eine Aufkaufspflicht der nutzenden Gruppe enthalten.

Soweit die Stiftung keinen Wertverlust erleidet bzw. eingesetzte Mittel ersetzt bekommt, kann jedes Projekt jederzeit in andere, mindestens gleich wirksame Rechtskonstruktion zur Absicherung der öffentlichen Nutzung wechseln (z.B. eine andere, etwa regional gegründete Stiftung mit gleichen Verfahren oder eine GmbH mit entsprechender Garantenstellung der Stiftung als Gesellschafterin).

Gesichert: Rechtlicher Rahmen für Kreativität, Vielfalt, Offenheit und Hierarchiefreiheit

Durch die hier dargestellte rechtliche Konstruktion soll eine kreative, vielfältige, offene und (formal-)hierarchiefreie Situation abgesichert werden. Keine in Deutschland zugelassene Organisations-Rechtsform bietet das von sich aus. Daher sollen die Projekte nicht von einem einzelnen Rechtsträger betrieben werden, sondern über einen Vertrag zwischen mehreren Rechtspersonen, u.a. mit der Stiftung als Eigentümerin oder Garantin, dazu den Projekten oder Vereinen der Nutzer*innen und eventuell selbigen als Einzelpersonen. In diesem "Autonomievertrag" wird das Projekt beschrieben und festgelegt, welche Entscheidungsformen gelten, welche Räume als offene Räume gestaltet werden. Die konkrete Form wird von den Menschen und Gruppen entwickelt, die am Projekt beteiligt sind. Die Stiftung berät und sichert im Vertrag den öffentlichen Raum sowie die Hierarchiefreiheit – ohne diese Punkte plus der materiellen Sicherung des Wertes schließt die Stiftung keinen Vertrag ab.

Die Rechtskonstruktion “Vertrag” statt einer Organisation als Einzelträger bietet zudem den Vorteil, für jedes Projekt eine individuelle, dessen Einzigartigkeit unterstützende Regelung zu finden – auch das steigert die Autonomie der Beteiligten am Projekt.

Ziel 4: Tu ‚Gutes’ und rede darüber - Werbung für offene Räume und Aktionsplattformen

Austausch und Wissensweitergabe

Die Stiftung schafft und sichert nicht nur einzelne Häuser, Räume und bewegliche Infrastruktur, sondern versucht, aus der Vernetzung der Beteiligten und weiterer Interessierter mehr zu machen als ein Nebeneinander. Das "Netzwerk FreiRäume", welches hieraus entsteht, soll sich selbst organisieren und unabhängig tragen - unterstützt je nach Bedarf und Möglichkeiten von der Stiftung FreiRäume.

a. untereinander
Möglichst alle Projekte sollen miteinander in Kontakt stehen, um sich gegenseitig zu helfen, Wissen und Materialien auszutauschen. Zudem ist der Austausch mit ähnlichen Projekten erwünscht, damit nicht die formale Verbindung zur Stiftung eine neue Grenze schafft - zwischen Stiftungs- und Nicht-Stiftungsprojekten. Dazu sollen Projekte, Veranstaltungen, der kontinuierliche Erfahrungsaustausch und Fortbildungsangebote grundsätzlich offen für alle sein. Da die Stiftung keinen eigenen Apparat ausbilden will, ist das Ziel, dass aus den unterstützten Projekte konkrete Personen Kontakte in den genannten Bereichen aufbauen - sowohl innerhalb der Stiftungsprojekte als auch zu weiteren interessierten Gruppen und Projekten. Solidarischer Umgang mit Geld und anderen Ressourcen, Weitergabe von Materialien und Know-How gehören ebenso dazu wie praktische Unterstützung. Treffen und Seminare zu Themen wie Selbstorganisation, Finanzbeschaffung, Gruppenprozesse und Entscheidungsfindung von unten usw. sollen im Netzwerk FreiRäume verwirklicht werden. , das aus den Projekten mit Stiftungsbeteiligung und weiteren ähnlichen Projekten entsteht.

b. bewegungsorientiert
Die Projekte, an denen die Stiftung Eigentum hat oder in anderer Weise formal beteiligt ist (z.B. über einen Vertrag zur Sicherung offener Räume), sollen sich als Teil sozialer, kulturellen und politischer Bewegung in ihrer Region und, soweit sinnvoll und gewünscht, auch darüber hinaus begreifen. Mit eigenen Handlungen und der Zugänglichkeit der Infrastruktur sollen sie diese stützen und weiterentwickeln. Häuser und Grundstücke sollen Treffpunkte und Arbeitsplattform für politische Gruppen, Kultur- und Bildungsarbeit, Selbstorganisationsprozesse usw. sein. Materielle Ressourcen können vorrangig emanzipatorischen Gruppen zur Verfügung gestellt werden, d.h. solchen, die selbst an der Entwicklung horizontaler Handlungs-, Nutzungs- und Kommunikationsformen Interesse haben. Generelle Ausschlussregeln und Ausgrenzungspraxen sind für die offenen Räume nur im Rahmen dessen zulässig, wenn dieses im "Autonomievertrag" ermöglichst wird.

Netzwerk FreiRäume

Die beschriebenen Ideen sollen zu einer Vernetzung und Organisierung gegenseitiger Unterstützung zwischen politischen Frei-Räumen führen – mit ganzen Häuser, offenen Werkstätten und Büros in solchen, Wägen, Plätzen, temporären offenen Räumen wie Camps oder andere Veranstaltungen, materiellen oder virtuellen Plattformen, Nutzer*innengemeinschaften, Umsonstläden und vielen mehr als Bausteine und Knotenpunkte im Netz.

Als prägendes Merkmal aller beteiligten Frei-Räume verstehen wir dabei die Idee des offenen Raumes, d.h. einem Bruch mit der die gesamte Gesellschaft prägenden Normalität einer "Nicht-Horizontalität". Die Menschen sind im aktuellen Alltag und in (fast) allen Subräumen der Gesellschaft nicht gleichberechtigt. Räume und Organisierungen, in denen Aktion und Interaktion erfolgt, sind durchzogen von Dominanzen, Verregelungen und Vorbehalten. Das Experiment des offenen Raumes verzichtet auf die Verregelung des Teilnehmens am offenen Raum und der Nutzung von Handlungsmöglichkeiten (Know-How, Infrastruktur usw.). Die im Netzwerk FreiRäume beteiligten Projekte sind ganz oder teilweise als offene Räume organisiert - auch wenn die Praxis aufgrund der umgebenden, gegenteiligen Verhältnisse immer experimentellen, d.h. mit Versuch und Scheitern behafteten Charakter aufweist.

Aus dieser Orientierung, d.h. dem Verzicht auf kollektive Entscheidungsstrukturen, die die Nutzung der offenen Räume beschränken und konkrete Personen oder Gruppen ausgrenzen können, entstehen spezifische Fragen, Probleme usw. Diese zu erörtern, Lösungen und Ideen zu finden für das Experiment horizontaler Organisierung und angestrebter Herrschaftsfreiheit, soll ein Gegenstand des Austausches im Netzwerk FreiRäume sein, unter anderen über eine Mailinglisten und - hoffentlich - noch andere Formen der Vernetzung (gegenseitige Besuche, Unterstützung, Seminare, Treffen usw.). Hieraus soll sich zudem gegenseitige Hilfe ergeben. Manch ein Projekt hat von etwas sehr viel, ein anderes wenig. In einem Projekt fehlt handwerkliches oder anderes Know-How, woanders wohnt/agiert jemand, der es hat. In einem Projekt ist mal sehr viel Kraft nötig - vielleicht helfen welche aus einer anderen Stadt oder einem anderen Projekt???

Das und anderes könnten die beteiligten Projekte im Netzwerk FreiRäume verwirklichen. Was tatsächlich passiert, ist Sache der Beteiligten. Nicht Apparate und Geld schaffen die Praxis, sondern die Menschen. Das Netzwerk FreiRäume und andere Formen der Vernetzung sollen, soweit nötig und möglich, von der Stiftung angestoßen und unterstützt werden.

Projekte und Öffentlichkeitsarbeit

Die Stiftung organisiert – möglichst in Verbindung mit den konkreten Projekten - eine breite Öffentlichkeitsarbeit. Diese soll gleichzeitig vernetzenden Charakter haben. Konkret sind Bildungs-, Austausch- und Beratungstreffen ebenso Teil der Stiftungsarbeit wie offene Medien mit Berichten und Diskussionsbeiträgen.

Emanzipatorische Debatte

Aus der Stiftung FreiRäume heraus soll eine Debatte um emanzipatorische Organisierungen und zukünftige Gesellschaftsmodelle angestoßen oder mitgeführt werden. Ziel ist, eine gesellschaftstheoretische Fundierung für die konkreten Projekte zu schaffen, aber auch die Projekte als praktische Experimente auszuwerten, um ihre Erfahrungen zu reflektieren, Vorgehensweisen und Strategien weiter zu entwickeln und neue Erkenntnisse in die Theorien und Diskussionsstränge einfließen zu lassen.

a. Visionen herrschaftsfreier Gesellschaft
Neben der konkreten Ebene, Projekte zu realisieren, soll die Stiftung auch eine visionäre und strategische Debatte vorantreiben. Damit soll der Prozess in den Projekten, immer neue und kreative Wege zu begehen, unterstützt werden. Emanzipation als Überwindung von Herrschaftsverhältnissen und gesellschaftlichen Konstruktionen ist ein immerwährender Prozess. Eine Debatte, die sich an der Praxis misst, ohne durch das scheinbar nur “Machbare” ausgebremst zu werden, ist wichtige Voraussetzung dafür.

b. Entwurf, Experimente und Reflexion emanzipatorischer Prozesse und Projekte
Aus der Debatte um Visionen und konkrete Perspektiven entstehen die Entwürfe für konkretes Vorgehen. Entscheidungsprozesse, Organisierungsformen von Projekten und Aktionen – all das sollte laufend weiterentwickelt werden vor allem hinsichtlich des Abbaus von Dominanzverhältnissen. Die Erfahrungen vieler bestehender Projekte können als Betrachtungsgegenstand, dabei oft als abschreckendes Beispiel dienen.

c. Dekonstruktion nicht-materieller Herrschaftsstrukturen und Ungleichheiten
Ungleichheiten und Dominanzen zwischen Menschen beruhen nicht nur auf formalen und materiellen Unterschieden. Diese sind ein Teil, ihre Reduzierung oder Auflösung aufgrund neutralisierter Eigentumsverhältnisse von Boden, Gebäuden, Geräten, Wissen usw. daher sinnvoll und notwendig. Sie ist aber nicht ausreichend. Sonst würden die Herrschafts- und Diskriminierungsverhältnisse der Gesellschaft bestehen bleiben, die aufgrund der “Zurichtung”, d.h. der Beeinflussung durch soziales Umfeld, Konstruktion von Persönlichkeit, Rollenzuweisungen und Erwartungshaltungen in jedem Menschen wirksam werden. Wenn die Stiftung Boden und Häuser dem Privateigentum entzieht, entstehen noch nicht allein dadurch kreative, gleichberechtigte Strukturen. Vielmehr blieben die gesellschaftlichen “Zurichtungen” erhalten – die Unfähigkeit zur Selbstorganisation, die Zurichtung auf einengende Familien- und Eltern-Kind-Verhältnisse, auf Chefstrukturen, Männer-Frauen-Rollen, bevormundende Erwachsene gegenüber Kindern, Angst vor Apparaten oder materiellen Verlusten usw. Gemeinsame Prozesse, kooperative Strukturen und mehr, das dem entgegenwirken könnte. entstehen nicht von selbst, sondern bedürfen gleichzeitig einer materiellen Grundlage in Form des gleichberechtigten Zugriffs auf alle Ressourcen als auch der aktiven Dekonstruktion von Wertigkeiten, Rollenbildern usw. Dies ist nur über einen Diskussionsprozess und ein aktives Experimentieren bzw. Reflektieren zu erreichen – am besten im direkten Austausch mit politischen Bewegungen, die ebenfalls solche Ziele verfolgen. Die Stiftung FreiRäume soll daher Verknüpfungen schaffen und sich nicht auf die Eigentumsfrage beschränken.

Ziel 5: Handlungsmöglichkeiten der Stiftung erweitern

Auch wenn die Stiftung nicht in erster Linie im Alleingang Projekte verwirklichen und Freiräume aufbauen oder sichern will, ist es doch Ziel der Stiftung, die eigenen Handlungsmöglichkeiten auszubauen, um die eigene Arbeit verbessern, aber auch den Kooperationspartnerprojekten besser helfen zu können. Daher bemüht sich die Stiftung um:

Infos zur Stiftung

Stiftung FreiRäume
Kontakt: c/o Projektwerkstatt, Ludwigstr. 11, 35447 Reiskirchen, 06401-903283, kontakt (ät) stiftung-freiraeume.de

 Unsere Veröffentlichungen zum Thema (draufklicken):